La Ticketera

cropped-cannes2010-katrineissingcannes13.jpgWellen und ein Schiff werden aus Papier ausgeschnitten.

„Wieviele Hauptpersonen?“

„…mal gucken…Ich hab jetzt elf.“

„Ist Setzu der Anführer?“

„Nein, Nein, doch nicht der! Das ist Mandarra. Man könnte aber sagen Setzu ist sein Wille.“

„Aber Mandarra gibt es doch nicht!“

„Doch, er wurde wiederbelebt.“

„Ein Schutzschild hat Setzu. Einen kleinen Schein, einen Schimmer um sich her.“

„Ja und dann fängt die Erinnerung an. Dann geht es in die Erinnerung rein.“

Führt dahin ein Weg?

Nein, es fängt einfach an.

Wir könnten auch Schrift machen, oder die Farbe ändert sich dann immer, oder Musik.

„Irgendwie einfacher.

Ein Traum. Wir sind erstmal nur ein Traum.“

Sie wachte davon auf, dass sie fast umkippte. Die Beine starr vor Triumph stehengeblieben zu sein. Voller Gefühle, die sie sofort mit der Kindheit kontaktierten, dort hinein installierten: Die Sprache der Tiere sprechen, der Katze zuhoeren. Geschichten die niemand verstehen muß, als Lebensnotwendigkeit, die Welt im Fellstaub. Auf und ab wie Wellen von oben gesehen. Das Schiff brummte mit seinem dicken Leib durch die Nacht. Wolken zogen an der Schädeldecke, Wasser an der Bordwand. Sie stand die Hände fest um die Reeling geklammert wie um eine Fahnenstange. Man konnte von hier die Sterne, einen Traum, was man wollte sehen. Dies war ein Blick auf die noch grosse, ganz alte Liebe gewesen…sowas….dabei stand ein schöner weisser Liegestuhl an Deck. Der orange leuchtende Schlafsack stammte noch von der Alpenüberquerung als Fastenbegleiterin. ihrem ersten Absetzversuch.

Wie auf einer Klassenfahrt, stolperten sie nachts heiß und innig immer öfter in den engen Hüttengängen übereinander. Vom elenden Gefaste schwach und pelzig auf der Lippe. Der Reboundeffekt war unterwegs, von Liebeskummer nicht gross zu unterscheiden und aushaltbar. Sie wollte in der dritten Hütte in den dezent blauen Schlafsack des einzigen und trotzdem hübschen männlichen Teilnehmers. Es hatte auf dieser Tour keinen Spass gemacht heimlich zu essen. Als sie wie automatisch bei einer Rast die Wasserflasche ansetzte, trank, sicher, dass es ihre eigene war, schluckte sie scharf reinen Alkohol, klar wie Glas. Es war wahrscheinlich der dürre Schoene. Welches von den „Mädchen“ tränke heimlich Wodka auf einer Fastenwanderung? Sie war also nicht die einzige auf Entzug. Am Tag war es so hell, gleissend weiss, wie in der Nacht dunkel. Als man dann dauernd diese Ein und Durchblicke auf, über und vor Schnee und Felswände/n hatte, waren sie alle von grosser Schönheit und Würde umgeben und als lebendige Wesen voellig überflüssig. Sowieso sind vom All aus die Alpen etwas, womit Riesen sich den Rücken kratzen.

Erstmal aufs Achterdeck unter den Riesenschornstein auf die Plastikliege in den Alpenschlafsack. Klamm und hungrig, sehnte sie sich so sehr nach ihrer Kindheit und einem kleinen Hund an den Füssen, dies Wuseln… dass ihr total schlecht wurde und sie ein bisschen weinte. Dann auf dem Tablet im Internet nach: Jobs auf Ibiza gucken…Da stand in der Rubrik Bildungsvoraussetzung: Promotion. Sie war dann ja gleichzeitig über und unterqualifiziert für „Promotionjobs“. Ein Witz den sie erst nach Gegoogle kapiert hatte. Also wars wohl grad das Richtige.

Guter W-Lan Empfang an der Bordwand entlang auf der Fähre nach Helgoland? (-andere Geschichte einer wahrhaftigen Klassenfahrt mit völlig verflipperten Tagen unter Deck. Oder „Onno Viets und die Kreuzfahrt des Grauens“. Ein sehr sehr lustiges und trauriges Buch von Frank Schulz, hier empfohlen) Jetzt aber, in dieser Sternennacht mit Motorengedröhn von Barcelona aus: ahnungslos durch die Nacht, von den andern verlacht. Auf eine von vielen vertrockneten Inseln im blauen Meer. Sie war zu alt um heroische Gefühle nicht zu lieben. Fahne hissen, ein Tier vermissen. Bewerbung schicken, in Sterne blicken. Seewind. Schlaflos, bis sie am Morgen in Ibiza Kai angekommen waren. Hah! die Geräusche am Hafen, das Klappern der Fallrepps an den Alumasten. Dazu die laue Luft. Überall Katzen, die gern in Milch eingeweichte Kekse assen. Das Alles war ja wohl was für Spaziergänge. Die Promenade lang im Morgenlicht, noch kaum jemand unterwegs. Cortado im Hafencafe. Der keine runde silberne Tisch vor ihr blitzte. Sie nahm die Plastikdosen aus der grossen Tasche schüttete die Pillen und Kapseln vor sich aus, legte eine Holzperlenkette dazu und sortierte Kugeln und Kegel nach ästhetischen Kriterien. Rosa Zuckertüte und knallorangene Pille, dazu ein Hellblauer Faden aus dem Unterhemd? Sie könnte eigentlich auch ihre Medikamente als Ecstasy verkaufen.

Mama anrufen. Die starb bestimmt schon wieder vor Sorge. Irgendein Ding mit dem Saskia überhaupt gar nichts zu tun hatte. Nicht alles Fühlen ist das eigene. Das muss nach dem Erkennen immer wieder neu realisiert werden. Irgendwann wären Gefühl und Gedanke eins. Menschen in Flip Flops gingen vorbei und warfen Schatten wie eine Zebraherde. Die Katze streckte sich in der noch niedrigen Sonne wie ein weiblicher Mensch in einem alten Erotikclip. Ganz langsam.

Fortsetzung folgt…

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